Mein 7. Jahr

2018 wird schon wieder mein Jahr! Im Kindergarten haben wir das Thema Dschungel aus allen Blickwinkeln durchleuchtet und ich habe die Rolle des hinterlistigen Shirkan aus dem Dschungelbuch im Fasching gemimt, obwohl meine Oma der Mama einen echt fiesen Spartipp für mein Kostüm gegeben hat: "Lass ihn doch als Mowgli gehen - sich bis auf die Windel nackig zu machen, ist doch eh sein Spezialgebiet!" Unverschämtheit, oder?!

Jetzt wird es Zeit, von der Theorie in die Praxis zu gehen. Papa und Mama planen einen neuen Bildband über Madagaskar und so wird uns dieses Projekt im Sommer in die dampfenden Regenwälder dieser traumhaften Insel im Indischen Ozean zu Chamäleons und Halbaffen führen. Alte Liebe rostet eben nicht! Papa und Mama haben nicht nur auf Madagaskar ihren Bund fürs Leben geschlossen, sondern sind in ganz besonderer Weise für immer in Freude und Leid mit dieser Insel verbunden. Schon mein großer Bruder/meine große Schwester war nämlich als blinder Passagier bei Mama im Bauch mit ihnen durch Madagaskar gereist. Leider ist er/sie dann aber weiter in den Himmel geflogen, bevor sie sich kennen lernen durften. 2 Jahre später habe ich mich dann unter das Reisegepäck geschmuggelt und zusammen mit Mama die Bergnebelwälder Marojejys auf den Spuren der seltenen Seidensifakas bezwungen. Damals begleitete uns das Lied "Adinony ianao" des madagassischen Sängers Ricky Olumbelo durch 2 Monate abenteuerliche Reise. Mama hatte viel Angst, dass auch ich es nicht schaffen und sie verlassen würde und das Lied gab ihr die Kraft, durchzuhalten und mich sicher mit nach Hause zu bringen. Auch wenn ich damals "nur" ein kleiner Zellklumpen in Mamas Bauch war, dieses Lied schwingt in mir und begleitet mich bis heute in den Schlaf. Bald kehren wir zurück an den Ort "absoluten Ursprungs" und Mamas erster großer Reise-Liebe: Madagaskar, der Insel aus der Urzeit. Ich erweitere gerade mein Florianisch um ein bisschen malagasy - das ist die Sprache auf Madagaskar. "Tsy mila!" (Ich will nicht!") kann ich schon sehr gut in allen Tonlagen und Lautstärken verkünden, für "Aza fady!" (bitte) bedarf es noch einiger Übung. Bitte sagen, fällt mir auch schon im Florianischen extrem schwer! Ich bleib aber dran! Ebenso daran, das Nervenkostüm von Mama für die bevorstehende Reise zu trainieren, denn nur die Harten kommen in den Garten. Mama hat nämlich schon wieder Herzklabustern, wenn sie an die Reisevorbereitung denkt und hierbei sind die Anmerkungen unserer Mitmenschen auch nicht gerade hilfreich: "MADAGASKAR? - Da gibt es doch die Pest?!" Da werden wohl noch einige Rescue-Dropse von Mama gelutscht werden, bis wir endlich im Flieger sitzen - ommmmmm!


Der Mentalcoach

Seit Anfang des Jahres trainiere ich nun schon Mamas Nerven, um sie von schlappernden Gummibändern in stahlharte Drahtseile zu verwandeln. Ich gebe vor, ganz friedlich ein Buch in meinem Zimmer zu studieren. Aus dem Augenwinkel sehe ich selbstverständlich, dass Mama alle 5 Minuten den Kopf durch die Tür schiebt, erleichtert seufzt und wieder nach unten schleicht, um ihren Kaffee "in Ruhe" zu trinken. Nach ihrer 5. Stippviste ist meine Stunde gekommen. Sie ist nun tatsächlich der Überzeugung, ich hätte einen unglaublichen Entwicklungsschritt vollzogen und sei zum vernünftigen Kind gereift, das sich für ein halbes Stündchen verantwortungsvoll allein zu beschäftigen weiß. Böser Fehler! Das nächste was sie hört, ist ein plätschernder Wasserhahn im Bad. Alarmiert eilt sie herbei und findet mich artig beim Händewaschen. Ihr Lob ist mir gewiss. So toll kann Bubilein seine Händilein schon selber waschen! Tränen der Rührung und des Stolzes glimmen in ihren Augen, doch dann auch der Funke der Erkenntnis: Warum wäscht er sich eigentlich die Hände?! "Alles voller Creme", sage ich lapidar. "Was hast du getan?" die alarmierte Gegenfrage. "Ich zeige dir!" entgegne ich stolz und führe Mama in mein Zimmer zu meinem Meisterstück. Da Papa mal wieder beruflich unterwegs ist, muss ja jemand die Rolle des Handwerkers im Haus ausfüllen und ich fand, es war schon lange mal an der Zeit, die Steckdose zu ölen. Also habe ich kurzerhand meinen Sternenprojektor abgesteckt und mit der Bepanthensalbe, die auf meinem Nachttisch lag, die Steckdose eingecremt! Meine Mama verfärbt sich von kreidebleich nach dunkelrot: "Muss ich jetzt tatsächlich wieder die Babysicherungen einbauen, wenn ich will, dass du lebst?" sagt sie übel keuchend und stürmt aus dem Zimmer. Wie ich schon sagte, man kann ihr nichts recht machen. Davon kann auch Papa ein Lied singen, was uns zur nächsten Geschichte bringt.


Der Heimwerker-Gott

Unlängst sollte Papa eine neue Ikea-Deckenlampe installieren, nachdem er das Vorgängermodell mit seiner Trittleiter beim verzweifelten Versuch, ein Regal an der Wand zu befestigen, vor 4 Jahren zerschossen hatte. "Zerschossen", meine ich genauso, wie ich es sage, denn von 5 Glaskugeln gleich 3 auf einen Streich zu zerdeppern, schafft nur Papa. Nachdem die traurigen Überreste als Mahnmal einer missglückten Handwerker-Ära nun jahrelang von der Decke gebaumelt sind und für Papa ebenso zum liebgewonnenen Inventar zählten wie die nackten Glühbirnen in unserem Keller, sah Mama das mal wieder ganz anders. Ich denke, es ist irgendwie hormonell bedingt, dass ab und zu dieser "Alles muss anders werden!" - Frischewind durch ihre Adern pustet und uns Männer zu irgendwelchen Sinnlosaktionen zwingt. In diesem besagten Falle war eine Reise zu IKEA Salzburg nötig, wo wir nach einem denkwürdigen Shoppingerlebnis (andere Geschichte ;-)) stolze Besitzer einer Deckenlampe wurden, die Dank ihres futuristischen Aufklappmechanismus sogar einen Design-Award gewonnen hat. "Diesen Award hat sich doch IKEA selber verliehen!" schnaubte Papa wütend, als er zu Hause vor dem 1000-teiligen Lampenpuzzle stand, das er aus dem kleinen Karton zauberte. "Ich brauche einen Deckenhaken!" fügte er dann befriedigt hinzu. Glücklicherweise hatte der Baumarkt schon zu und so legte Papa ohne Umschweife die Arbeit nieder. Nicht ohne die Lampenteile in Flo-sicheren Höhenlage zu verstauen! Was Papa allerdings in seinem Eifer übersah war, die Klappleiter wieder aufzuräumen. Da stand sie in der Mitte des Büros und flüsterte mir zu, eine kleine Kletterpartie zu wagen. Als Mama um die Ecke bog, stockte ihr der Atem angesichts meiner Akrobatik-Nummer: Wie eine Ballerina tippelte ich auf Zehenspitzen auf dem schmalen Trittbrett und versuchte, den Design-Award vom Regal zu schubsen. Ich wusste sofort, dass es jetzt Ärger geben würde. Da half nur ein Ablenkungsmanöver: "Ich springe und schlage mir die Zähne aus!" rief ich drohend. "Nicht springen!" schrie Mama entsetzt und setzte zum Hechtsprung an, doch es war zu spät. Wie ein eleganter Adler erhob ich mich in die Lüfte unseres Dachgebälks und stürzte dann ab wie ein landeunfähiger Albatros. "Ich hab mir gar nicht die Zähne ausgeschlagen?!" sagte ich erstaunt, während ich mich hochrappelte. Auch Mama war unsanft gelandet. Sie sagte nichts, doch ihr Blick sprach Bände. Dann nahm sie sich Papa zur Brust und sein trauriger Dackelblick sagte mir, dass ihm ein Hebe-Senk-Einlauf an diesem Tag deutlich lieber gewesen wäre als ein Gespräch mit Mama.


Solidarität unter Frauen

Damit Papa auch ganz sicher endlich die Deckenleuchte befestigt, scheuchte ihn Mama unter ihrer strengen Aufsicht am nächsten Tag in den Baumarkt und erlebte dabei ihr persönliches Highlight zum Thema "Frauensolidarität".

Wie üblich raubte die handwerksgeschwängerte Atmosphäre des Baumarktes Papa die Luft zum Atmen und er wurde schon am Eingang extrem übellaunig. Mama stürmte als Taktgeberin voraus und irrte durch die unzähligen Reihen von Schrauben, Dübeln und Nägeln. "Du rennst ohne Hirn und Verstand durch den Laden!" meckerte Papa lautstark in typischer "Ich-soll-handwerken-und -mog-ned!"-Manier. Normalerweise überhört Mama derartige unflätige Beschimpfungen, denn nach 20 Jahren mit Papa weiß sie, er meint es nicht böse, er zerfließt nur vor Selbstmitleid! Nicht so tolerant ist eine alte Dame, die aus Gang 7 heraussschießt wie eine angestochene Tarantel: "Wos hod der grod zu earner gsagt? Ohne Hirn und Verstand?!  Wissens wos? - Scheuerns ihm doch einfach oane!" Dann verschwindet die wohlmeinende Fee schnappatmend wieder im Feenreich - genauer gesagt, Gang 7 - um ihrem eigenen Mann zur Seite zu stehen, der ratlos einen Hunderterpack Dübel hin und her dreht: Waren es jetzt 10er- Dübel oder Dübel für 10-er Schrauben, die er benötigte?

Mama zwinkerte ihrer Schwester im Geiste noch einmal aufmunternd zu, denn keiner wusste besser als sie, wie das Leben an der Seite eines "Handwerker-Gottes" eine Frau verhärmen konnte und eilte dann mit einem Lächeln auf den Lippen in Gang 8 zu Papa, der sich mittlerweile eine Fachberatung, Typ Bob der Baumeister, zu Hilfe geholt hatte. Bob trägt auch in seiner Freizeit einen Werkzeuggürtel, an dem seine polierte Hilti baumelt. Er sägt, bohrt und schraubt aus Leidenschaft und repariert alles und jedes. Er ist Muttis Juwel im Haushalt, denn was kann man nicht alles Praktisches aus hässlichen Spanplatten zusammenschrauben, um Mutti eine Freude zu machen? Und während er auf seiner Trittleiter balanciert und sich von Mutti eine Flasche Bier hinaufreichen lässt, versenkt dieser Mann ohne großes Aufheben einen 10er-Spreiz-Hohlraumdübel in der Decke, um daran den Deckenhaken nebst IKEA-Award-Winning-Lampe zu befestigen. Mutti klatscht Beifall und serviert ihrem Göttergatten für diese männlich-testosteron-reife Leistung noch ein Salamischnittchen auf dem Silbertablett, während er sich die Hilti wieder lässig in den Werkzeuggürtel schiebt.

"Blöder Gschaftlhuber!" denkt Mama und sagt im Ingrid Steeger-dummes-Blondchen-Ton laut zu Papa: "Das soll der richtige Haken sein? Da brauchst du doch bestimmt wieder noch eine Spax dazu!" Befriedigt sieht Mama zu, wie Männersolidarität unter 2 grundverschiedenen Typen funktioniert, die zeitgleich entschieden haben, dass Frauen definitiv zu blöd für die Welt sind. Papa packt peinlich berührt den von Bob empfohlenen Haken, entschuldigt sich für Mamas grenzenlose Naivität und stürmt gen Kasse, während Bob kopfschüttelnd zurück zu seinem Infoschalter wandert. Heute abend wird Bob Mutti von dem armen Schwein im Baumarkt erzählen, der mit dieser absolut kenntnisfreien Schnepfe geschlagen war. Und zum Dank, dass ihm Mutti die Hilti mit einem Microfasertuch auf Hochglanz poliert hat, wird er ihr ein weiteres schönes neues Regal aus Press-Span bauen!

Irgendwie ist Mama froh, dass sie nicht Bob mit heimnehmen muss, sondern Papa - auch wenn der Award-Winner immer noch nicht an der Decke baumelt. Zitat Papa: "Wenn ich sage, ich repariere das, dann repariere ich es auch - man muss mich nicht alle 6 Monate daran erinnern!" (Zitat Ende). Ich vermute, es gab wohl doch ein Spax-Problem.


Shopping with desaster

"Nimm dieses Kind, bevor ich mich vergesse!" sagt Papa mühsam beherrscht. Ich hänge wie ein nasser Sack (Codewort Gummimann) in seinen Armen und er schlenkert mich ungebremst zu Mama hinüber, die uns ahnungslos soeben die Tür geöffnet hatte. "Was ist passiert?" fragt sie alarmiert. "Ich war MIT FLO beim EDEKA!" antwortet Papa tonlos und beseitigt damit sämtliche Fragen. ICH war passiert!

Im Edeka in Bergen gibt es dieses tolle gelbe Auto, das gleichzeitig ein Einkaufswagen ist und sich aufgrund seiner monströsen Ausmaße kaum lenken lässt. Deswegen hasst es Papa. Und deswegen liebe ich es! Ich habe jederzeit genügend Gelegenheiten, mich abzuschnallen und unbemerkt hervorzuquellen, um Dinge, die mir gefallen, in den Einkaufswagen zu laden oder mich mit einer Judorolle unvermittelt vor anderer Leute Einkaufswagen zu werfen. Doch heute ist da kein gelbes Auto - ein anderes Kind hat es gekapert!

Ich bin so wütend, Papa hingegen grinst triumphierend und schiebt mir den Mini-Einkaufswagen vor die Nase. "Dann nimmst halt den!" sagt er arglos. Wenn er Krieg wollte, bitte schön! Ich presche los und fahre über den Haufen, was sich mir in den Weg stellt. Ganz nah vorbei an den edlen Weinregalen und teuren Spirituosen. In Windeseile grabsche ich mir Tampons aus dem Regal und schmettere sie in den Einkaufswagen. Dann klettere ich beim Tchibo-Stand auf das wackelige Regal, um die leerlaufende Kaffeemühle in Betrieb zu nehmen. Ich haste weiter zur Fleischabteilung und plärre: "Will Wurst haben!"

"Bist du denn ganz allein unterwegs?" fragt die Fachverkäuferin wenig amüsiert. Dann kommt Papa endlich atemlos angespurtet. Den mir per Definition zustehenden Wurstzipfel habe ich mir zu diesem Zeitpunkt längst schon ohne seine Hilfe erkämpft!

An der Kasse klettere ich auf das Förderband und werde zum Körperbrett bei Papas Versuch, das zu verhindern. Schließlich lädt er mit gesenktem Kopf die Sachen auf das Kassenband, die ich eingekauft habe: Die Tampons, Gummibärchen und als gesunden Ausgleich eine Packung Vollkorn-Fischstäbchen. Die habe ich bei meinem selbsterfundenen Spiel Ich-öffne-in-Rekordzeit-sämtliche Gefriertruhendeckel-des-Supermarktes noch schnell mitgehen lassen. Jetzt ist Papa stinkesauer auf mich - weiß der Geier warum?!


Shopping without Flo but with mega desaster

Immer bin ich an jedem Chaos schuld! Doch nun werde ich den ultimativen Beweis antreten, dass meine Eltern es auch ganz ohne meine Hilfe schaffen, sich beim Einkaufen bis auf die Knochen zu blamieren!

Ich fahre gerne zum Ikea, denn dort gibt es das Smaland. Während Papa und Mama langweilige Design-Award-Winning-Lampen aussuchen, kann ich hier in Ruhe meiner Leidenschaft für Bällebäder fröhnen. Mama schätzt die Abgeschlossenheit des Kinderparadieses sehr, vor allem seit sie von meiner Betreuerin Katharina erfahren hat, dass ich zusammen mit meinem Freund Jakob im Kindergarten das gesamte Bällebad zerlegt und die Bälle übers Treppenhaus vom 1. Stock bis in den Keller befördert habe!

Nachdem ich also im Smaland abgegeben war, machten sich Mama und Papa auf ihre große Lampenmission. In der "Sachen-die-die-Welt-nicht-braucht"-Abteilung (Zitat Papa) traf Mama die folgenschwere Entscheidung: "Wir brauchen einen neuen Pfannenwender, nachdem Flo den Alten eingeschmolzen hat!" Man sollte nicht glauben, dass ein schnöder Pfannenwender einen handfesten Ehekrach auslösen könnte, aber die Stimmung meiner Eltern war bereits auf Höhe der Frischhaltebeutel gekippt und stark vorbelastet. Während Mama vor dem ISTAD-Gefrierbeutel-Angebot lediglich die quälende Frage beschäftigte, ob meine heißgeliebten Brezen besser in einem 0,4l, 1,2l oder gar 2,5l-Beutel aufbewahrt werden sollten, ging es Papa um die Aufbewahrung der hochwichtigen Kabelsammlung seines Kameraequipments. "Ich brauche aber die 5 l-Beutel für meine Kabel!"  sagte er trotzig und pfefferte eine Packung ISTAD 5 l in den Wagen, der 2 Packungen Brezenbeutel von Mama folgten. Das war nicht der Tag für wichtige Entscheidungen und Beutel konnte man schließlich immer brauchen! "Na super, dann streiten wir jetzt beim Pfannenwender weiter!" sagte Papa beleidigt und rauschte ab zum Kochutensilien-Abteil. Kaum zu glauben, dass 2 erwachsene Menschen eine 10-minütige, hitzige Diskussion über Vor- und Nachteile von Metallwendern gegenüber hitzefesten Plastikwendern führen können! Papa knallte schließlich den Plastikwender in den Einkaufswagen und gab sich geschlagen. Er hatte in dem Moment verloren, als  Mama begann, ihm vorzurechnen, wer wie oft den Bratenwender überhaupt verwendete und damit das Vorrecht auf die Entscheidung hatte. Gleich würden sie sich mit den Pfannenwendern duellieren, wenn nicht der Klügere nachgab! Oh mein geliebtes Smaland - meine Insel der Ruhe und Glückseligkeit, fernab dieser wahnsinnigen Kinder, die sich meine Eltern nennen!

"Was hältst du von der Lampe? Hat sogar einen Design Award, muss ja dann toll sein!" knurrte Mama. "Her mit dem Scheißding!" knurrte Papa zurück und packte den Karton nebst Ersatzbirne eilig in den Wagen, bevor wieder eine Pfannenwender-Situation entstehen konnte und Mama eine 2. Lampe entdeckte. Unter eisigem Schweigen wurde der Weg bis zur Kassenschlange fortgesetzt. "Geh doch Du schon mal Flo im Smaland abholen und ich zahle und komme dann nach!" offenbarte Papa seinen grandiosen Masterplan und Mama rauschte wortlos davon, um mich endlich wieder in ihre liebenden Arme schließen zu können. Sie hatte mich ja so vermisst! Papa begann derweil, die Sachen aus dem Einkaufswagen auf das Förderband zu laden und seine Wut auf Mama steigerte sich dabei ins Unermessliche. Was hatte dieses Weibsbild hinter seinem Rücken wieder alles für Scheiß eingekauft: Geschmacklose Plastikschneidbretter in Neonfarben, hässliche Trinkgläser im Dutzendpack und die unvermeidlichen Teelichter im Riesensparbeutel - als ob man den ganzen Müll nicht schon seit Jahren im Schrank stehen hätte!

Als Papa das Corpus delicti, besagten Pfannenwender, aufs Band legt, schwant ihm urplötzlich Böses: Wo waren Flos Malkasten, das Malbuch und sein Memoryspiel abgeblieben? Und wo Vaters geliebte ISTAD Gefrierbeutel???? "Stopp, das ist gar nicht mein Wagen!" ruft Papa der verdutzten Kassiererin zu, die soeben das letzte Produkt über den Scanner zieht. "Das ist ja lustig!" sagt sie und sieht ihn dabei mit einem Blick an, der darauf schließen lässt, dass sie heimlich unter dem Tisch den Notrufknopf für die weißen Männer mit den hübschen Zwangsjacken drückt. "Könnten wir das rückgängig machen? Ich muss meinen Wagen suchen!" sagt Papa und möchte im Erdboden versinken. Seitdem wissen wir, dass die Kassenbänder im IKEA Salzburg tatsächlich auch rückwärts fahren können! "Hallo, Beppo!" sagt eine Stimme aus der Kassenschlange - es ist ein Arbeitskollege von Papa! Da ist man bis nach Österreich gefahren, um in einem Geschäft mit tausenden von Menschen ganz in der Anonymität zu versinken und trifft ausgerechnet in der schwärzesten Stunde auf einen Bekannten - das Schicksal konnte echt grausam sein! Nach etwas Smalltalk rast Papa mit dem wieder vollgeladenen Einkaufswagen zurück in die Abteilung "Sachen-die-die-Welt-nicht-braucht". Dort steht er, einsam und verlassen - unser Einkaufswagen. Mit meinem Malkasten, dem Malbuch und dem Memory. Mit Papas heißgeliebten 5l-Frischhaltebeuteln und Mamas Brezenbeuteln. Schnell lädt Papa unsere Design-Winning-Award-Lampe, den Bratenwender und die Ersatzlampe in "unseren Wagen" um und flieht, bevor ihm die rechtmäßigen Besitzer des Teelichter-Trinkgläser-Plastikschneidbretter-Wagens eins auf die Muppe hauen können. Ich bin mir sicher, dass es an diesem Tag ein weiteres äußerst übellauniges Paar im IKEA Salzburg gegeben haben wird!


Der Kobold

Pumuckl neckt, Pumuckl versteckt und niemand was meckt!

 

Eigentlich war der Kobold mit dem roten Haar ja ursprünglich Mamas Kindheitsheld, aber ich muss schon sagen, dass sie in einer echt coolen Zeit aufgewachsen ist: Da wurde im Fernsehen noch geraucht und gesoffen, was das Zeug hält und Pumuckl durfte politisch inkorrekt den Schwan als "dumme Sau" beschimpfen. Heutzutage werden alle Kindersendungen durch die Supernanny zensiert und heraus kommt dann zum Beispiel Jonalu: 2 singende Mäuse und ein brabbelnder kleiner Käfer, die meine Eltern mit ihren dahingequäkten Liedern in den Wahnsinn treiben. Deswegen gefällt mir Jonalu ganz ausgezeichnet ;-)

Aber der Pumuckl ist mein leuchtendes Vorbild und ich perfektioniere mein koboldhaftes Wesen mit jedem Tag.

 


Das Schlüsselerlebnis

 

"Einmal durchfeiern und morgens ohne Kind aufwachen, wie in alten Zeiten - das wäre schon was!" seufzt Mama wehmütig und starrt sehnsüchtig auf die Einladung einer Freundin aus Studentenzeiten zu deren rauschender Geburtstagsfeier in Bayreuth.

 

Da Oma und Opa gar nicht weit von Bayreuth entfernt im schönen Oberfranken leben, ist die Sache tatsächlich geritzt. Ich darf bei Oma und Opa residieren und Mama und Papa lassen es bei Bier, Live-Funkmusik und Cocktails zum ersten Mal wieder richtig krachen, seit ich in ihr Leben getreten bin - eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten!

 

Mein Opa sieht das ganz anders, denn leider ist er es, der am Tag danach mit Katerstimmung erwacht! Nach unserer Abreise macht Opa nämlich eine folgenschwere Entdeckung: Pumuckl-Flo hat sämtliche Schlüssel von Opas großem Schlafzimmer-Kleiderschrank nebst Schloss abmontiert und sehr gut versteckt! Da stehen Opa und Oma nun in ihren Schlafanzügen und kommen nicht mehr an ihre Klamotten ran! Mama wird von der Missetat ihres Sohnes via Whatsapp in Kenntnis gesetzt und startet peinlich-berührt einen verzweifelten Rettungsversuch von Omas und Opas versautem Tag: Sie funkt SOS an meine Kiga-Betreuerin Katharina, die mich umgehend aus dem Morgenkreis entfernt, um mich im Kreuzverhör in die Mangel zu nehmen. Wo sind die Schlüssel?! "Unter Hemd stoppen in Schrank!" sage ich, aber man schenkt meinen Worten keinen Glauben. "Nein Flo, der Schrank ist abgesperrt. Die Schlüssel können gar nicht drin sein. Sag die Wahrheit!" insistiert Katharina streng. "Zwischen Schlüssel im Klo runtergespült und Schlüssel verschluckt ist bei Flo alles drin!" jammert Mama und macht mich mal wieder schlechter als ich bin! "Ich hab keine Hosen!" murrt Opa aus der Ferne. Unter Druck arbeite ich ungern bis gar nicht - also wenn mir sowieso keiner richtig zuhörte, dann ging es auch anders: Bis Mittag lasse ich mir ein Potpourri an Geschichten zu den versteckten Schlüsseln einfallen und schlage bei den Verhören so viele Haken, dass die Hoffnung meiner Zuhörerschaft gegen Null tendiert.

Am späten Nachmittag dann der erlösende Anruf von Oma - Opa muss nicht länger in Unterhosen durchs Leben schreiten, denn sie hat die Schranktür mittels einer Gürtelschnalle aufgehebelt. "Eine Dauerlösung ist das natürlich nicht!" murrt Opa dennoch. "Hat du Lüttel bunden?" frage ich Oma, denn sie versteht Florianisch. "Nein, Flo." antwortet sie gequält und dann geht alles wieder von vorne los: Wo sind die Schlüssel, FLO???!!!!

"Sag ich doch: Unter Hemd stoppen in Schrank!" antworte ich und bin jetzt stinksauer. Warum ignoriert eigentlich jeder meine präzisen, fast schon mit GPS-Koordinaten versehenen Hinweise zum Aufenthaltsort dieser blöden Schlüssel?

"Könnte es denn sein, dass die Schranktüren gar nicht abgesperrt sind und Flo die Wahrheit sagt?" fragt Mama investigativ und Oma schweigt nachdenklich. Nun gut, einen Griff oder Knauf hatten die Türen definitiv nicht. Wenn sie mit Schwung zugedrückt wurden, könnten sie tatsächlich verschlossen wirken, ohne es zu sein. Oma dämmert es so langsam: "Na ja, mit der Gürtelschnalle konnte ich die Tür ganz leicht aufhebeln. Liegt im Bereich des Möglichen, dass die Schlüssel im Schrank sind!" entgegnet sie kleinlaut.

Bis sich Oma durch die Untiefen ihres mächtigen Kleiderschrankes gewühlt hat, vergeht ein weiterer nahezu hosenloser Tag für meine Großeltern. Dann die Erlösung: "Die Schlüssel sind wieder da! Sie waren tatsächlich dort, wo Flo gesagt hat!" jubelt Oma. "Hab ich doch gesagt!" sage ich trotzig. Auf eine Entschuldigung warte ich bis heute!


Reifezeugnis

"Ich bin ja nun weiß Gott keine von diesen ehrgeizzerfressenen Übermüttern, die ihr Kind ständig zu Höchstleistungen peitschen. Und vom Traum, mein Sohn würde eines Tages die Weltformel entwickeln, bin ich auch Äonen entfernt. Aber dieser Auftritt war zu viel für mein System!" sagt Mama zu Oma, während die beiden eine Flasche Wein entkorken - um 2 Uhr nachmittag!

 

Grund für ihr Besäufnis ist nicht etwa der Jubel über meinen wahrlich innovativen Input bei der Einschulungsuntersuchung, sondern ihre Frustration über meine angebliche "Teilnahmeverweigerung" an idiotischen Testreihen, die uns Vorschüler in eine Normschublade stopfen wollen! Ich bin aber nicht die Norm, ich bin die Ausnahme von sämtlichen Regeln!

 

Um gegen die Normierung zu demonstrieren, legte ich während der 1-stündigen Fragestunde mein Hauptaugenmerk lieber auf die eingehende Untersuchung der Sehtest-Apparatur, die man hoch und runter fahren und wunderbar in einen Kran verwandeln kann. Das Spiralkabel am Kopfhörer für den Hörtest war auch sehr interessant - man konnte es ganz stark in die Länge ziehen und schnelzen lassen. So faszinierend, dass ich darüber ganz das Zuhören vergaß. Und als ich die Reihe Rot-Grün-Blau-Rot-Grün-? vervollständigen sollte, bestand ich auf gelb, weil das meine Lieblingsfarbe ist, die eindeutig fehlte! Mir konnte ja dann auch keiner wirklich den Sinn erklären, warum ich da blau hinmalen sollte. Weil es eben so ist und weil das alle machen? - Schwachsinn! Gelb fehlt und damit basta. In MEINER Schule lernt man fürs Leben, nicht für die Schule! Deswegen packte ich dann auch zusammen und verkündete: "Jetzt nimmer!" Ich war fertig mit dem Einschulungstest, auch wenn die nette Prüferin, Mama und Oma das offensichtlich anders sahen.

"Dann lass uns anstoßen, auf unseren blinden und tauben Totalverweigerer - der uns heute eine schwere Entscheidung leicht gemacht hat: Einschulung? - Nein danke!" sagt Mama augenzwinkernd und besinnt sich schnell zurück auf ihr Lebensmotto: Humor ist, wenn man trotzdem lacht!


Töpfchentraining

"Hattu Kackbeutel bunden?" frage ich Mama stolz, die wie jeden Tag mit angewidertem Gesichtsausdruck einen zugeknoteten Müllbeutel mit delikatem Inhalt aus dem Kindergartenrucksack fischt: Mein metaphorisches Statement, dass mir das Töpfchentraining zum Himmel stinkt!

"Bis zu den Sommerferien musst du das Klogehen schaffen, Flo. In Madagaskar gibt es nämlich keine Windeln!" sagt Mama frustriert.

"Was für ein Schmarrn!" denke ich mir und entgegne nichts. Wollte Mama mir tatsächlich weiß machen, dass die Kinder dort auf den Boden kacken?

"Es GIBT keine Windeln - schon gar nicht solche Riesenschlüpper, wie du sie brauchst!" bekräftigt Mama noch einmal, weil sie meinen Blick folgerichtig gedeutet hat. "Dann kack ich halt in Badehose!" antworte ich diplomatisch und bekräftige meine Entscheidung mit einem formschönen Haufen, der in diesem Moment in meine Unterhose plumpst.


Der Oster-Krampus

Die Vorfreude auf Ostern kam vor allem in meinen enthusiastischen Bastelwerken zum Ausdruck. Wusstet ihr, dass es eigentlich der Krampus ist, der die Eier bunt bemalt und zu den Kindern bringt? Der Osterhase ist nur schmückendes Beiwerk und wird nicht mehr gebraucht, sobald er die Eier gelegt hat und wird vom Krampus aufgefressen!

Mama hatte mir im Schreibwarenladen in Grassau eine neue Kinder-Bastelschere gekauft, die ich auf der Heimfahrt nicht mehr aus meiner Hand geben wollte. Da besagte Schere nicht nur durch Kabelbinder in der Verpackung fixiert, sondern auch noch zusätzlich kindersicher verschweißt war, gewährte mir Mama den innigen Wunsch, die Schere in meinem Schoß nach Hause zu transportieren. Nach 5 km Fahrtstrecke verkündete ich stolz: "Dau mal Mama, habe Lötter in Hode genitten!" (Schau mal, Mama. Ich habe Löcher in meine Hose geschnitten!") - Es waren 3 an der Zahl, in meiner niegelnagelneuen Jeans von Oma, das war echt stylish!

Mit quietschenden Reifen fuhr Mama rechts ran und legte eine Vollbremsung hin. Mit hochrotem Gesicht riss sie die hintere Autotür auf, um mein Werk mit eigenen Augen zu bestaunen. "Bist du von allen guten Geistern verlassen, du Irrer?" meckerte sie mich an. Das war nicht ganz die Reaktion die ich erwartet hatte - ein bisschen Stolz und Huldigung meiner reifen Entpackungsleistung hielt ich definitiv für angebrachter - an derartigen Verpackungen scheiterten meine Eltern selbst schließlich ständig und ICH war es, der das Patentrezept entwickelt hatte!


Eierlegen mit Hindernissen

Die Osterferien verbrachten wir auf Teneriffa und mich beschäftigte seit dem Abfllug eine quälende Frage: Würde der Osterhase seine Eier auch auf einer spanischen Insel legen?

Nun kann ich dies aus allererster Hand bzw. aus eigener Erfahrung berichten: Ja, das tut er!

 

Aber teneriffische Osterhasen haben es echt nicht leicht. Genaugenommen haben sie es sogar so schwer, dass sie ihre Nester in einem Kaktus bauen müssen! Ich möchte nicht in der Haut des Hasen stecken - er kann bestimmt bis Ostern nächsten Jahres nicht mehr auf seinem Popo sitzen, weil der gespickt ist mit Kaktusstacheln!

Ich weiß das so genau, weil allein die "Eier-Ernte" schon eine extrem ruhige Hand erforderte!

Dafür gibt es aber keinen Krampus, der den Osterhasen auffrisst. Auch wieder schön für ihn!


Reinhold auf dem Vulkan

Auf Teneriffa gibt es den inaktiven Vulkan Teide - eine neue Herausforderung für mich! In einem Steilhang ging mir die Puste aus und ich ließ mich kraftlos auf einen Felsen sinken. Weil das Motiv so malerisch war, kramte Mama nach ihrem Handy. Da ich mich noch etwas martialischer in Szene setzen wollte, beschloss ich, ihre Ablenkung zu nutzen, um den Felsen wie Spiderman zu erklimmen. Was ich jedoch von unten übersehen hatte, war die Tatsache, dass der Felsen oben an einer Steilkante 4 m senkrecht abfiel!

Papa brüllte in Panik: "Stoppppp!", was mich erst recht zu Höchstleistungen animierte. Mama schmiss alarmiert ihr Handy in den Busch und hechtete hinter mir her. Gummimann-Körperbrett-Flo wurde vom Felsen gezerrt und aus war es mit meiner Besteigung des Teide! Na ja, er ist auch von unten ziemlich eindrucksvoll!


Mal schauen, was die Pfingsferien bringen - wenn sich was tut, erfahrt ihr es als Erste. Versprochen!