Mein viertes Jahr

Das war vielleicht ein bewegtes Jahr! Ich war ganz viel auf Reisen und habe anschließend im September einen kompletten Neustart im Kindergarten des Heilpädagogischen Zentrums in Ruhpolding hingelegt. Ich habe in diesem Jahr unglaublich viel dazu gelernt, einige alte Marotten abgelegt und gleich durch Neue ersetzt, damit es meinen Eltern nicht langweilig wird. Da mein Florianisch niemand verstehen wollte, habe ich außerdem nun doch auf Deutsch umgeschult. Und wir haben den 100.ten von Opa Adi gefeiert - diesmal ohne Norovirus, dafür aber mit Landrat und Bürgermeister, weil Opa Adi nun der älteste Bürger Trostbergs ist!


"NEIN, delper!"

Wenn ich in alten Fotoerinnerungen schwelge, dann sehe ich ganz deutlich, dass ich nun kein Baby mehr bin. Ich sage dann immer: "Bo, großes Dint!". Mama streichelt mir dann meistens über den Kopf und seufzt wehmütig: "Ja, die Zeit rast nur so dahin!" Aber meine Eltern sind auch froh, dass ich jetzt schon so viel selber machen kann/könnte. "Nein, delper!" ist deshalb auch mein Lieblingssatz, der immer auch eine gewisse Portion Chaos mit sich bringt. Ich will zwar, aber weiß nicht wie und mache es trotzdem. Dabei bin ich wohlmeinenden Ratschlägen oder Hilfestellungen gegenüber absolut beratungsresistent. Ich sage dann nur mit Nachdruck: "NEIIIIN. Bo DELPER!"  und wehre die helfende Hand ab. Mein Gegenüber sackt dann meist schnaufend in sich zusammen und holt schon mal den Putzlappen oder den Erste-Hilfe-Kasten.

Ich kann selber mein Joghurt löffeln, mit dem Strohhalm trinken, Stühle an hohe Möbelstücke heranrücken, um an die Gummibärchenverstecke oder die verbotenen Messer und Scheren zu kommen. Und ich kann mich ganz toll ausziehen - was ich zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit auch mache,  z.B.  in der Warteschlange am Grenzübergang von Namibia nach Botswana. Das ist für meine Eltern oft etwas peinlich, weil fremde Leute dann sehr pikiert auf uns schauen.

Ich brauche zu allem, was ich selber mache stundenlang, denn gut Ding will bekanntlich ja Weile haben. Ich trample dann auch gern absichtlich auf dem Geduldsfaden von Papa und Mama herum, vor allem wenn es Zeit wird ins Bett zu gehen. Wenn die Zahnbürste kommt, stopfe ich mir noch schnell ein Stück Breze in den Mund und bewahre sie gaaaanz lang in der Backentasche auf wie ein Hamster. Da können die beiden noch so viel schimpfen und zetern - ich kaue genüsslich weiter, denn ich bin eben einfach noch nicht mit dem Essen fertig!

Ach ja - und wenn ich will, kann ich richtig weit laufen - aber ich will nicht wirklich oft.


Fortschritte

Motorisch hat sich bei mir dieses Jahr eine Menge getan. Ich kann sausen, springen, Trampolin hüpfen, Klettern, Balancieren. Ich liebe die Herausforderung - je höher und wackeliger, desto besser. Auch bei meinen diversen akrobatischen Einlagen greift wieder besagte "Nein, delper!"-Regel und auch die Beratungsresistenz. Daher werde ich auch hier meist heimlich mit Erste-Hilfe-Koffer verfolgt. Zur Zeit trainiere ich eifrigst an meinem Purzelbaum. Den besten Schwung für meine Vorwärtsrolle bekomme ich, wenn ich mich dabei kopfüber vom Sofa hechte. Mama jammert dann immer, dass sie gleich einen Herzinfarkt bekommt und ich mir das Genick brechen werde. Eltern!


Der Entfesselungskünstler

Ich trainiere schon das ganze Jahr für ein Engagement als Entfesslungskünstler und habe mit meinen Tricks zumindest meine Eltern schon nachhaltig beeindruckt. Als Mama mich eines Tages in den Autokindersitz schnallte, blähte ich mich künstlich so weit auf, dass sie den Gurt nicht ganz so eng zurren konnte. Während der Fahrt ließ ich dann ganz gemütlich die Luft wieder aus meinem Körper und wurde so dünn, dass ich mich locker aus dem Gurtsystem befreien konnte. Ihr hättet das Gesicht von Mama sehen sollen, als ich am steilen Berg von Vachendorf plötzlich oben gegen das Autodach klopfte, um auf meine tolle Performance hinzuweisen. Da fiel ihr vielleicht die Kinnlade nach unten, als ich ihr in meinem Sitz stehend, stolz zuwinkte! Dieser Überraschungseffekt gefiel mir so gut, dass ich es seitdem wieder und wieder und wieder versuche, auszubrechen. Ich kann einfach nicht anders - der Ruf der Freiheit! Mama und Papa wurden zusehends verzweifelter, weil sie alle 5 Minuten anhalten und mich wieder festschnallen mussten. Sie haben viel geschimpft und immer wieder erklärt, dass das gefährlich ist, was ich mache. Aber, no risk no fun! Dann haben sie angefangen, meinen Gurt mit einem Band zusammenzubinden, damit ich mich nicht selbst ausfädeln kann. Da kennen sie mich aber schlecht - ich habe so lange genestelt und gefummelt, bis ich auch dieses Problem gelöst hatte und wieder winkend im Sitz stand.

Jetzt haben Mama und Papa meiner schillernden Künstler-Karriere ein vorzeitiges Ende bereitet: Ich bekomme einen Autositz mit Spezialsicherungssystem - absolut ausbruchssicher.

Als meine Eltern gesehen haben, was dieser Sitz kostet, haben sie ganz schön nach Luft geschnappt. Zum Glück hatten sie eine super nette Betreuerin bei der Hilfsmittelstelle der Viactiv Krankenkasse. Danke, Frau Plümel, denn ohne Sie wäre ich wohl immer noch auf Freigang!


Körperbrett und Gummimann

In diesem Jahr arbeitete ich auch ebenso hart daran, von meinem Sonnenschein-Image endgültig ins Schurkenfach zu wechseln. Je schwerer und kräftiger ich werde, desto mehr Spaß bereitet es mir, meine Widersacher mit meiner ausgeklügelten Überrumpelungstaktik aus dem Verkehr zu ziehen. Wenn ich zum Beispiel mit meinem Bobbycar unbedingt vom Gehsteig auf die Straße fahren möchte, weil da gerade ein schöner großer Laster kommt, mag ich es gar nicht, in meinem Vorhaben gestoppt zu werden.

Ich mache dann den Gummimann und wabere vom Bobbycar direkt auf den Gehsteig, wo ich dann einfach liegen bleibe. Versucht man mich aufzurichten oder hochzuheben, wechsle ich so schnell meine Körperspannung zwischen Gummimann und Körperbrett, dass ich wahlweise zwischen den Fingern wie Wackelpudding durchflutsche oder meine Muskeln so versteife, dass man mich nicht zu fassen bekommt. Ob bei strömendem Regen oder Eiseskälte oder sogar im Menschengedränge auf einem Marktplatz  mitten in Italien - ich gehe in den Liegestreik, wo immer man mir nicht zu Willen ist. Dort liege oder sitze ich dann auch gerne mal eine halbe Stunde, denn ich gebe niemals nach. Meistens schultert mich Mama dann als Körperbrett wie ein Paar Ski und schleift mit der anderen Hand das Bobbycar hinter sich her. Sie ist dann immer sehr schlecht auf mich zu sprechen, dabei bin ICH ja eigentlich sauer auf sie!


Der Klokönig

Ob auf der heimischen Latrine oder dem Busch-Klo in Afrika -  ich habe mich redlich um mein Jahresziel bemüht, den Thron des Klo-Königs zu besteigen. Aber irgendwie finde ich es einfach lustiger, meinen Gefühlen auf dem Wohnzimmerteppich oder dem Küchenparkett freien Lauf zu lassen. In die Schüssel pinkeln kann jeder. Und ich bin eben nicht jeder! Ich zwinge Mama lieber stundenlang neben mir vor dem Pott zu kauern und immitiere zu ihrer Unterhaltung täuschend echte Plätschergeräusche. Wenn Mama schon mal da ist und eh nur untätig rumsitzt, verhelfe ich ihr lieber zu einem spontanen Putzjob, indem ich die Badewannenkeramik benetze oder den Badezimmerboden flute.


Die Esstherapie

Mama hat mich Anfang des Jahres zum Psychologen geschleppt, weil es ihr zu bunt wurde, dass ich mit ihrem liebevoll gekochten Essen die Wände unseres Hauses dekoriere. Oder ihre geliebten Kaffeetassen zerdeppere, weil ich so wütend auf sie bin, wenn sie wegen der Spaghettis an der Wand mit mir schimpft. Sie ging dann immer raus auf die Terrasse, atmete tief durch und schüttelte dabei sehr bedenklich den Kopf. Nachdem ich allerdings einmal die Terrassentür von innen verriegelt habe und sie ohne Schlüssel draußen im Regen stehen ließ, geht sie nicht mehr nach draußen, sondern guckt nur noch depressiv, wenn mich mal wieder die Wutwelle packt!

Nachdem Mama dem Psychologen alle meine Schandtaten berichtet hatte, stellte er eine Videokamera vor mir auf, um Beweismittel gegen mich zu sammeln. Mama hatte eine Brotzeitdose mit dem verhassten Butterbrot und Gurke dabei. Ich klappte routiniert die Brotzeitdose auf, sagte "Mmmhh, lecker!", schenkte der Kamera mein schönstes Lächeln und begann, mir das gesamte Brot nebst Gurke in den Mund zu stopfen wie eine Beutelratte. Ich aß alles auf. Der Psychologe sagte zu Mama: "Jetzt müssen Sie doch wahre Glücksgefühle empfinden, wenn Sie sehen, wie viel Freude Ihr Kind am Essen entwickelt!"

Ich sah Mama an. Sie wirkte alles andere als glücklich. Sie guckte eher so, als wollte sie mich hinter Gittern sehen. Vielleicht weil sie wusste, dass dies eine einmalige Live-Performance nur für die Kamera und den netten Doktor war? Ich hatte jedenfalls mein Ziel schnell und einfach erreicht: Therapie erfolgreich abgeschlossen! So ging Mama weiter ohne mich in die Sitzungen und stellte schnell fest, dass sie auch genug eigene Probleme hatte, an denen sie arbeiten konnte.

Zu Hause trieb ich sie weiter in aller Ruhe in den Wahnsinn, um zu prüfen, ob ihre "Arbeit an sich selbst" schon irgendwas gebracht hatte. Ich konnte keinen Unterschied feststellen. Mama machte immer noch das Rumpelstilzchen, wenn ich mit Bananenscheiben Tennis spielte und schüttelte weiterhin bedenklich den Kopf. Dieses schöne Spiel treibe ich mit Mama so lange, bis wir beide erschöpft in den Schlaf sinken.


Tapetenwechsel

Im April zog Mama die Reißleine und sagte Papa, dass wir alle dringend eine kleine Auszeit von zu Hause brauchen. Man behauptet nämlich von mir, dass ich in unserem Haus wie eine Naturgewalt - ein Tornado, oder so - überall Chaos zurück lasse. Aber so ein Tapetenwechsel musste wohl überlegt sein, denn ich hatte mein Essproblem schließlich nur für die Psychologenakte geschlossen. Für meine Eltern bestand der Babyglas-Wahnsinn natürlich weiterhin!


Das Essperiment

Pasta in Bella Italia?

Italien - das Land, in dem meine Lieblingsspeise Spaghetti mit Tomatensoße erfunden wurde. Leider, leider sind die Nudeln aber nicht von Herrn Hipp persönlich in Gläschen abgefüllt worden. Und so konnte ich den Italienern nicht die geringste Chance einräumen, mir ihre Gaumenfreuden näher zu bringen! Ich entschloss mich stattdessen zu einer strikten Wackelpudding-Diät - den hatte Mama von daheim als Notfall-Backup mitgenommen!

Mich brachte dieser Kurztrip an den Gardasee trotzdem weit voran, denn ich konnte endlich erste Fortschritte verzeichnen, wie gut Mama die Esstherapie bekam: Immerhin fütterte sie nun ihr glückliches, zufriedenes Kind ohne zu meckern mit dem giftgrünen Glibber. Ihr Widerstand war gebrochen!

Arbeitsurlaub Ostsee

Da Papa einen Vortrag beim Naturfotofestival in Zingst halten durfte, brauchte er dringend meine Assistenz und nahm uns kurzerhand mit an die Ostsee. Im Land der guten Seeluft und des fangfrischen Fisches zwang ich Mama in den nächsten Supermarkt, um meine Spaghetti-Gläser zu besorgen. Zumindestens verzichtete ich um des lieben Friedens Willen darauf, das edle Linnen der Hotelbetten mit Nudeln zu dekorieren. Mehr war aber beim besten Willen nicht an Entgegenkommen drin!

Sardische Küche

Auch die Sarden bemühten sich sehr, mich von ihrer traditionellen Küche und den hauseigenen Erzeugnissen ihrer Landwirtschaft zu überzeugen. Doch egal, wie leer mein Bauch auch sein mochte - die einheimischen Spezialitäten konnten meinen Gläschen nicht das Wasser reichen.


Meine Eltern haben bei ihrem Essperiment viel über mich gelernt: Ich bin konsequent und gebe niemals nach. Lieber bekomme ich einen Kreislaufkollaps, weil ich den ganzen Tag nichts esse und trinke anstatt mich auf Pasta Sardegna einzulassen! Weil aber das Reisen mit mir ansonsten total lustig und unkompliziert war,  beschlossen sie nicht aufzugeben und stattdessen den mutigsten Schritt ihres Lebens zu wagen...


 "Bo" goes Africa

Anfang Juli starteten meine Eltern unser Afrika-Experiment. Papa flog Anfang Juni schon mal voraus nach Namibia und arbeitete ein bisschen. Mama und ich flogen dann Anfang Juli hinterher, denn Papa brauchte dringend meine Hilfe beim Filmen und Fotografieren für unsere neuen Projekte!

Mama hatte all ihren Mut zusammengenommen, um den Gegenbeweis anzutreten, dass es unmöglich ist, mit einem besonderen Kind auf Reisen zu gehen, zu filmen und zu schreiben -

kurzum all das zu tun, was sie mit einem "normalen" Kind auch getan hätte! 

 

Unsere Freunde überraschten uns vor unserer Abreise mit einer spontanen Abschiedsfeier in unserem Garten. Das fand ich sehr schön, weil ich meine Krippenfreunde nun für lange Zeit nicht sehen konnte und sich auch nach unserer Rückkehr aus Afrika unsere Wege zumindest beruflich trennen würden. Ich hatte nämlich ab September ein Jobangebot des Heilpädagogischen Zentrums in Ruhpolding angenommen, das mich als Alleinunterhalter für seine Kindergartengruppe abgeworben hatte.

 

Unsere Reise veränderte Papa, Mama und mich nachhaltig:

Ich schaffte den kalten Gläschen-Entzug, Papa konnte endlich seine Qualitäten als archaischer Sippenernährer ausspielen, indem er jeden Abend ein flammendes Inferno entfachte, um eine halbe Antilope auf dem Grill zu rösten  - und Mama? Die kam nach langer Zeit wieder bei sich selber an.

Unser monatelanges Zigeunerleben mit Zelt ließ uns als Familie eng zusammenwachsen. Ich habe in dieser Zeit so viel Anrührendes und Schönes erlebt, das sich tief in mein Herz gebrannt hat. Ich machte Fortschritte in Sprache und Verständnis, die mir niemand zugetraut hätte. Das Leben ist eben der beste Lehrmeister!

Den ein oder anderen Cent, der in meinem knallgelben Sparschwein landet, werde ich wohl nicht nur in Pferdestickern anlegen, sondern auch auf meinem nächsten Afrikatrip für Oshikandela ausgeben. Mit der Entdeckung dieses namibianischen Trinkjoghurts ließ ich nämlich sogar mitten in Afrika meine Wackelpuddingsucht ein für alle mal hinter mir ;-)


Gute Freunde soll niemand trennen

Meine "alten" Freunde sind mir auch nach meiner Rückkehr aus Afrika geblieben, aber es sind auch viele neue hinzugekommen. 

Meinen Neuanfang im Kindergarten habe ich mit Bravur gemeistert. Ich freue mich jeden Tag auf die Kinder und die Betreuerinnen. Auch meine Logopädiestunden und die Physiotherapie finde ich toll. Ich tobe in der Turnhalle, gehe ins Hallenbad und wir machen auch viele Ausflüge.


Wenn ich groß bin, werde ich...

Seit wir im Kindergarten Laternen für den Martinsumzug gebastelt und die Martinsgeschichte vorgelesen bekommen haben, bin ich fasziniert von diesem Edelmann. Täglich werfe ich mich in meine Rüstung und schwinge mich auf mein Ross. Dann zwinge ich Mama den Bettler zu mimen. Sie muss dann auch das Martinslied dazu singen und ich teile den Mantel mit meinem Schwert.

Als es auf Weihnachten zuging, sagte Mama etwas verzweifelt, dass wir doch jetzt auch mal über Josef, Maria und das Christkind sprechen könnten. Ich habe erst einmal die Krippe umdekoriert und Duplo-Nilpferde und Krokodile mit einziehen lassen. Aus Gründen der Gleichberechtigung durften jeden Tag andere Tiere bei Maria und Josef wohnen - einmal sogar ein tasmanischer Teufel! Irgendwann wurde es dann zu eng für Josef und Maria und sie zogen in meinen Playmobil Pferdestall um. Für mich war die Weihnachtsgeschichte jetzt fertig erzählt und ich wendete mich wieder dem guten Samariter St. Martin zu. Da ist es mir auch völlig wurscht, dass es langsam auf Ostern zugeht und der Osterhase schon seine Eier bemalt - Martin ist und bleibt der Beste! Ich glaube, ich werde auch mal ein Samariter!



Vom Edelmann zum Schurken

Seit ich im Kindertheater "Der Räuber Hotzenplotz" war, bin ich im Ausnahmezustand. Ich weiß jetzt, dass ich doch lieber den Leuten Sachen wegnehmen anstatt schenken möchte.  Ich werde also Räuber. Oder Schauspieler, denn dann könnte ich einfach jeder sein, der ich sein möchte. Zur Zeit gebe ich täglich eine Uraufführung und übernehme dabei in einer geschlechterübergreifenden Glanzleistung sämtliche Rollen - von der Großmutter bis zum Wachtmeister Dimpfelmoser. Manchmal lasse ich Mama mitspielen - sie muss dann als Großmutter in Ohnmacht fallen, wenn ich ihr die Kaffeemühle entreiße. Weil mir das so gut gefällt, üben wir diese Szene immer und immer wieder - sozusagen bis zum Umfallen...

 Anfangs hatte ich Angst vor dem Hotzenplotz und habe immer "Hotteplott, nein aua!" gerufen. Deswegen wollte ich mich für den Kindergartenfasching keinesfalls als Räuber verkleiden. Mama hat extra ein Seppel-Kostüm zusammengesucht. Als es soweit war, hatte ich es mir anders überlegt - ich wollte nun unbedingt der Hotzenplotz sein! Ich weinte bitterlich und wehrte mich mit Gummimann-Körperbrett-Attacke gegen den Seppel. Ich plärrte so herum, dass Papa erschrocken angerannt kam.


Dank seines großen, männlichen Gehirns begriff er mein Problem natürlich im Gegensatz zu Mama sofort und sagte pragmatisch: "Weißt du was, Flo? Dann bist du halt der Räuber Hotzenplotz im Seppel-Kostüm!" Das klang einleuchtend. Mama malte mir dann einen Räuberbart auf und sagte kopfschüttelnd: "Versteh einer die Männer!"


Der Osterhase hat mittlerweile seine Eier versteckt, aber ich hatte keine Lust zu suchen. Wie gesagt, ich stehe nicht auf Hasen, die Eier legen. Papa würde sagen  "A Hos, der Eia legt is biologisch gseng a totaler Schmarrn!"

 

Ich habe derweil lieber den St.Hotteplott-Martin kreiert:

Mit meinem Pferd Toby reite ich durch unsere Küche. Um auch im Frühling das passende Winter-Ambiente zu erzeugen, mache ich kurzerhand vorher die Kühlschranktür eine halbe Stunde lang auf. Mama/Papa/Opa/Oma sitzen schon als Bettler bereit. Großmütigst übergebe ich nicht nur den Mantel, sondern auch meinen Helm, Brustpanzer, Schild und Schwert. Ich muss ja schließlich was zu klauen haben, wenn ich dann in der Gestalt des Hotteplott-Martins wieder auf der Bildfläche erscheine und den armen Bettler mit meiner Pfefferpistole bedrohe! Edelmann und Schurke in einer Person - wenn das nicht genial ist!

Und jaaa, Mama hat mir schon von Robin Hood erzählt, dem Edelmann, der die Reichen bestiehlt und es den Armen gibt. Aber mal ehrlich: Wer will schon ein Held in Strumpfhosen sein?!


So, das waren erst einmal die wichtigsten Geschichten aus meinem bewegten Leben. Wenn es etwas Neues zu berichten gibt, erfahrt ihr es als Erste, versprochen!

Bis dahin alles Liebe!

Euer Flo